Nachsorge SAD Hoheneggelsen

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Die Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen befindet sich in der Gemeinde Söhlde im östlichen Landkreisgebiet von Hildesheim. Die Deponie liegt ca. 1 km südlich der Ortschaft Hoheneggelsen direkt an der Bahnlinie Hildesheim - Braunschweig.

Auf dem heutigen Deponiegelände befand sich ursprünglich eine Ziegelei. Der für die Ziegelherstellung benötigte Ton wurde direkt am Standort gewonnen. Die Hohlräume wurden später mit Abfällen verfüllt. Heute deutet nur noch die über das ehemalige Betriebsgelände verlaufende Straße mit der Bezeichnung „Ziegeleiweg“ auf die vorherige Nutzung hin.

Der Standort der Deponie zeichnet sich besonders durch die günstigen geologischen Verhältnisse aus. In der Umgebung der Deponie stehen oberflächennah über 300 m mächtige Tongesteine der Unterkreide an. Die Tongesteine weisen in ihrer typischen Ausprägung ein dichtes Gefüge mit sehr geringen hydraulischen Gebirgsdurchlässigkeiten auf. Auch die günstigen standortspezifischen, physikalisch-chemischen Milieubedingungen führen zu einem insgesamt sehr hohen Schadstoffrückhaltevermögen in der geologischen Barriere.

SAD Hoheneggelsen

Die Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen wurde 1971 von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen in Betrieb genommen und 1987 von der „Niedersächsischen Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen GmbH“, einer Gesellschaft des Landes Niedersachsen, übernommen. Die Deponie besteht aus verschiedenen, bis zu 30 m tiefen Poldern. Im Wesentlichen wurden nach heutiger Definition gefährliche Abfälle abgelagert, die bei Produktionsprozessen, Maßnahmen des Umweltschutzes oder der Altlastensanierung angefallen sind.

Es wird zwischen den Bereichen

  • Deponie I (Altdeponie und Polder 14),

  • Deponie II (Erweiterungsbereiche Mitte und Ost) und

  • Deponie III (Erweiterungsbereich West)

unterschieden.

Der letzte betriebene Einlagerungsbereich – Polder West – wurde bis Ende 2005 verfüllt. In den folgenden drei Jahren – der sog. Stilllegungsphase – wurden die für die Nachsorge der Deponie nicht mehr benötigten Betriebseinrichtungen zurückgebaut und das Oberflächenabdichtungssystem einschließlich Rekultivierungsschicht auf dem Polder West errichtet.

Ende 2008 wurde die Deponie endgültig stillgelegt. Seither befindet sich die Deponie in die Nachsorgephase. Im Rahmen der Nachsorge stehen die Maßnahmen zur Sickerwasserbewirtschaftung sowie zur Instandhaltung und Beweissicherung im Vordergrund.

 

Oberflächenabdichtung und Rekultivierung SAD Hoheneggelsen

Die Errichtung des Oberflächenabdichtungssystems auf dem Polder West wurde Ende 2008 abgeschlossen. Zunächst wurde ein 3 Meter mächtiger Randriegel aus aufbereitetem Ton verdichtet eingebaut. Der Randriegel hat die Aufgabe, das Grundwasser in der oberflächennahen Quartärschicht wirksam vom Abfallkörper im Polder fernzuhalten. Innerhalb des Randriegels wurde über dem Abfall eine walmdachförmige, mindestens 3 Meter mächtige Profilierungsschicht eingebaut.

Auf der Profilierungsschicht wurde eine Kombinationsabdichtung, die aus einer mineralischen Dichtung (50 cm) und einer Kunststoffdichtungsbahn (2,5 mm) besteht, eingebaut. Zur Abführung des Dränagewassers aus der Rekultivierungsschicht wurde eine geosynthetische Entwässerungsmatte verlegt. Die abschließende Rekultivierungsschicht setzt sich aus einer insgesamt 1,20 Meter mächtigen Unterbodenschicht mit humusreicher Oberbodenauflage zusammen. Die anschließende Bepflanzung bildet das oberste Element des Oberflächenabdichtungssystems. Zusammen mit der Rekultivierungsschicht spielt der Bewuchs eine wichtige Rolle als Wasserhaushaltsregulator und Erosionsschutzschicht.

 

Beweissicherungsmaßnahmen

Zur Kontrolle der Wirksamkeit und Funktionsfähigkeit der Abdichtungssysteme sowie zur Beobachtung des Langzeitverhaltens der eingelagerten Abfälle werden in regelmäßigen Abständen umfangreiche Beweissicherungsmaßnahmen durchgeführt. Hierzu finden in regelmäßigen Abständen hydrochemische und hydraulische Grundwassermessungen statt.

Das hydrochemische Messstellennetz besteht aus 32 Grundwassermessstellen, die der „deponienahen Zone“ und dem „Kontrollbereich Anstrom“ zuzuordnen sind. Die Probenahmen und Analysen werden unter Berücksichtigung der standortspezifischen Verhältnisse im jährlichen Rhythmus durchgeführt. Die Grundwasserstandsänderungen werden manuell nach vorgegebenen Intervallen sowie mit kontinuierlich aufzeichnenden Datenloggern erfasst und anschließend in Form von Ganglinien und Grundwassergleichenplänen ausgewertet.

Ergänzend zu den Grundwasseruntersuchungen werden im dreijährigen Rhythmus Sickerwasserproben aus den Erweiterungsbereichen Ost und West entnommen und hinsichtlich der chemischen Beschaffenheit analysiert. Zudem werden die Wasserstandsänderungen in einzelnen Ablagerungsbereichen über Drucksonden kontinuierlich erfasst.

Die Oberflächenwasserqualität wird durch halbjährliche Probenahmen aus dem Regenrückhaltebecken und anschließender Untersuchung nach einem vorgegebenen Parameterumfang überwacht.

Zur Beurteilung der Setzungen auf den Deponieoberflächen werden im jährlichen bzw. dreijährigen Rhythmus flächenhafte Nivellements durchgeführt und in Form von Setzungsplänen ausgewertet.

Eine zusammenfassende Beurteilung der Standortverhältnisse entnehmen Sie bitte dem Artikel aus der Fachzeitschrift WASSER und ABFALL vom November 2012 (Heft 11).

 

Instandhaltung

Mit Beendigung der Ablagerungsphase wurde die Niedersächsische Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen GmbH als Betreiber der landeseigenen Deponie liquidiert. Im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages wurden vom Land Niedersachsen auch die Aufgaben der Projektsteuerung für die Instandhaltung an die NGS übertragen.

Alle notwendigen Arbeiten zur Erfassung, Ableitung und Speicherung von Oberflächen-, Dränage- und Sickerwasser sowie zur Instandhaltung der verbleibenden Betriebseinrichtungen wurden an Fremdfirmen vergeben. Dies betrifft im Wesentlichen folgende Maßnahmen:

SAD Hoheneggelsen
  • Erfassung und Ableitung von Oberflächen- und Dränagewasser mit den zugehörigen Entwässerungsleitungen und -gräben, Kontroll- und Pumpschächten sowie des Regenrückhaltebeckens mit Absperrbauwerk

  • Entnahme, Speicherung und Übergabe des Sickerwassers an Transportfahrzeuge, Kontrolle der Sickerwasserstände und der Gaswarneinrichtungen

  • Unterhaltung und Pflege der befestigten und unbefestigten Deponieflächen (Grünflächen) einschließlich der Bewuchspflege

  • Durchführung aller regelmäßigen Wartungs- und Kontrollmaßnahmen der einzelnen Anlagenteile nach den vorgegebenen Prüfintervallen

  • Unterhaltung der vorhandenen baulichen Einrichtungen (Betriebsgebäude, Gaswarnstation, Schaltwarte, Wetterstation, Sicherungseinrichtungen)


Die Sickerwasserstände sowie der Anlagenstatus des Sickerwassersystems werden durch eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) mit angeschlossenem Interbussystem kontinuierlich erfasst. Über eine Visualisierungssoftware ist zu jeder Zeit eine Kontrolle aus der Ferne möglich. Betriebsstörungen am Sickerwassersystem werden mit Hilfe der eingesetzten Mobilfunktechnik an die Bereitschaftsstelle übertragen. Ein auf dem Gelände installiertes Kamerasystem vervollständigt das Fernüberwachungssystem.

Ansprechpartner

Henning Schröder
Telefon:  (0511) 3608–195
Telefax:  (0511) 3608–177
E-Mail:    henning.schroeder@ngsmbh.de